Vorträge

Altchinesische Gesundheitsmuster - heute 
Dr. med. Felix Badelt                                                         

Das harmonische  Zusammenspiel bipolarer Aspekte (vgl. Yin – Yang – Taiji) sowie des Verschiedenartigen (vgl. 5 Wandlungsphasen bzw. „Elemente“)  in der Natur und im Menschen gilt gemäß altchinesischer Naturphilosophie als wesentliches Merkmal optimaler Lebensbedingungen (modern: Salutogenese). Bipolare Aspekte unseres Denkens, Fühlens und Handelns lassen sich im Sinne von These-Antithese; aktiv-passiv; mir selbst – anderen gegenüber sowie positiv-negativ konkret formulieren und unterschiedlichen psychosozialen „Elementen“ beifügen: Kontakterlebnisse (bei Feuer), Sorgsamkeit (bei Erde),  säuberliche Unterscheidung (bei Metall), individuelle Begrenzung und Bereitstellung, Motivation (bei Wasser); persönlicher Entfaltung, Leistung (bei Holz) . Alle diese „Elemente“ sind noch zusätzlich atmosphärischen Einflüssen (innen der eigenen Lustbesetzung, außen der Umwelt  (vgl. Luft?) ausgesetzt.  Resilienz fördernde, harmonische Formen der Dynamik einerseits und  riskante Muster bzw. Abläufe andererseits lassen sich sowohl innerhalb einzelner Yin-Yang- Aspekte  als auch unter den 5 verschiedenen „Elementen“ darstellen und mittels vieler Beispiele aus dem täglichen Leben bestätigen. 

Weitere Infos auch unter: www.ganzheitsmedizin-badelt.at 

Bewegung ist Medizin

Univ.-Prof. Dr. Paul Haber

Bis zum Ende des 19. Jhdt. War die große Mehrzahl der Menschen im Berufsalltag körperlich aktiv mit einem Tagesenergieumsatz von etwa dem Doppelten des Grundumsatzes. Dies hat sich bis heute, auf Grund der gravierend veränderten Berufswelt mit überwiegend sitzender Lebensweise, auf etwa das 1,5-fache reduziert. Dieser Verlust an physischer Aktivität führt zu Verminderung von Morphologie und Funktion der Kreislauforgane, des Stoffwechsels, der Muskelmasse, der Knochen und sogar der kognitiven Funktionen mit Folgeerkrankungen Arteriosklerose, Diabetes 2, Osteoporose und Demenz und erhöhter Mortalität aus jeglicher Ursache. Regelmäßige körperliche Aktivität vermag diese Folgen zu verhindern wobei der Muskelmasse eine ähnliche präventive und therapeutische Wirkung zukommt wie der Kreislauffunktion.

Der Begriff der Gesundheit

Dr. phil. I , Corinne I. Heitz

Die Schwierigkeit einer Definition zwischen Wahrnehmung und Messung

Dies ist auch der Titel meiner interdisziplinären Dissertation in Philosophie und Medizin gewesen, welche ich 2012 an der Universität Zürich eingereicht habe. Es gibt für den Begriff der Gesundheit keine klare Definition und dennoch, wird Gesundheit als ein zu erreichendes Ziel proklamiert.

Zwischen wissenschaftlich-objektiver Messbarkeit und erfahrbar-subjektiver Wahrnehmung eröffnen sich völlig unterschiedliche Herangehensweisen an den Begriff und damit an das Phänomen der Gesundheit.

Wirtschaftliche, medizinische, gesellschaftliche und individuelle Interessen im Hinblick auf Gesundheit scheinen miteinander zu kollidieren. Die bestehende Diskrepanz zwischen stetig steigenden Kosten im Gesundheitssystem und einer Gesellschaft, die dennoch augenscheinlich immer „kränker“ wird, macht die Notwendigkeit einer gültigen Definition davon, was Gesundheit eigentlich ist, umso deutlicher.

Der Vortrag soll beleuchten, was es für uns als Ärzt*innen und Therapeut*innen bedeutet, wenn das «angebliche» Ziel unseres Handels nicht wirklich klar umrissen ist. Oder es stellt sich die Frage, ob «Gesundheit» überhaupt ein Ziel sei. Beispiele aus meiner Praxis runden den Vortrag ab. 

Ganzheitsmedizin und Salutogenese
Dr.  med. Gerhard Hubmann

Derzeit vollzieht sich eine Bewusstseinserweiterung in unserem Gesundheitswesen, von der Pathogenese – der Entstehung und Entwicklung von Krankheit – hin zur Salutogenese – der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit. 

Wenn man bedenkt, dass die Einflüsse, die zu einem gesunden Leben führen zu 35 % einem gesunden Lebensstil, zu 35 % dem sozialen Umfeld, 10 % genetisch bedingt und nur etwa 20 % einer medikamentösen Intervention anzurechnen sind, dann kann man sich den Stellenwert einer ganzheitlichen Zugangsweise zu diesem Thema vorstellen.

 „Ganzheitliche Denkweise ist der Ausdruck eines Weltbildes, das den Menschen wieder als Einheit von Körper, Geist und Seele in seiner Umwelt sieht und ihn in seiner Beziehung zur Natur wiederherstellt.“ Ganzheitlich ist nicht nur die Methode, sondern auch das Welt- und Menschenbild von Arzt und auch Patient. Berücksichtigt wird das (naturwissenschaftlich) Messbare und auch das Nicht-Messbare. Der Mensch kann nicht isoliert von seiner Umgebung gesehen werden, es wird nicht eine Krankheit „bekämpft“, sondern ein natürlicher gesunder Zustand „gefunden“. Wichtig ist der individuelle Mensch mit seiner Beziehung in seinem biopsychosozialen Umfeld. Das schließt komplexe physiologische und psychologische Faktoren genauso ein wie Ernährung und Umwelteinflüsse, die therapeutische Kompetenz genauso wie die Gesundheitsvorsorge und Prävention. Die Voraussetzung Gesundheit zuzulassen und Krankheit zu bewältigen, ist die Fähigkeit des Organismus zur Selbstregulation und zur Selbstheilung.  

Salutogenese und traditionelle Medizin 
Dr. med. Gerhard Kögler

Um die Bedeutung von traditioneller Medizin in Bezug auf Salutogenese, also die Entstehung von Gesundheit zu erahnen, sollten wir doch kurz den Begriff Gesundheit verstehen. Ich habe für mich mehrere Definitionen gewählt. Der Balanceakt zwischen Gesundheit und Krankheit erinnert stark an das evolutionäre Spiel zwischen unseren von Geburt an mitgebrachten Voraussetzungen, in dieser Welt zurechtzukommen, und den von außen auf uns einwirkenden Einflüssen. Diese Einflüsse können durch Umwelt oder auch durch unseren eigenen Lebensstil entstehen. Spiel bedeutet damit, dass Gesundheit weniger ein Zustand ist als ein Weg, der sich täglich aus Neue mit unserem Ja zum Leben unter unseren Füßen entwickelt. Im Gegensatz zur konventionellen, modernen Medizin, wo man sich sehr erfolgreich den nahen Ursachen von Krankheit widmet, beschäftigt sich die traditionelle Medizin aber mit den fernen Ursachen. Sie analysiert die Konstitution und legt großen Wert auf individuellen Lifestyle. Damit ist sie nicht nur kurativ, sondern auch gleichzeitig präventiv gut aufgestellt und kann einen wichtigen Beitrag zur Salutogenese leisten. In dem Vortrag möchte ich nun kurz eine Konstitutionsbestimmung erklären, aber auch traditionelle Lifestyle Modifikationen erläutern. Auch auf den Umstand, dass wir evolutionär vieles mit den Pflanzen gemein haben, viele Rezeptoren dieser in uns haben und wir sie deshalb als unsere Helfer gut nutzen können, möchte ich näher eingehen.

Die Zeitstruktur des Organismus und die Salutogenese

Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Marktl

Gesundheit ist ein komplexer Begriff bei dem eine große Zahl von Determinanten eine Rolle spielt. In der Zivilisationsgesellschaft mit ihren vielfältigen technischen Möglichkeiten tritt die Bedeutung der Beziehung zwischen dem Menschen und natürlichen Umwelteinflüssen nicht selten in den Hintergrund. Menschen leben in künstlichen Umwelten und entziehen sich auf diese Art den natürlichen Reizen aus der Umwelt. Die Bewältigung der ständig aus der Umwelt einwirkenden Reize durch den lebenden Organismus ist aber eine von vielen Facetten der Gesundheit. 

Aus der Sicht der Chronobiologie wird der Beachtung der Zeitstruktur der lebenden Organismen im Zusammenhang mit Gesundheit zu wenig Beachtung geschenkt. Der Begriff Zeitstruktur bezieht sich auf die Tatsache, dass alle Funktionen in lebenden Organismen durch rhythmische Funktionen mit unterschiedlichen Charakteristika gekennzeichnet sind. Aber auch in der natürlichen Umwelt treten rhythmische Phänomene – z.B. der Hell-Dunkel-Wechsel der 24-Stundenperiode, der Jahreszeitenwechsel etc. - auf. Jürgen Aschoff hat in Bezug auf den Menschen den Ausspruch getan wonach „der Mensch ein rhythmisch gegliedertes Wesen in einer rhythmisch gegliederten Umwelt ist“. 

Gesundheit ist nach Ansicht der Chronobiologie auch durch die Aufrechterhaltung einer guten zeitlichen Ordnung innerhalb des Organismus und deren Abstimmung mit den natürlichen Rhythmen der Umweltreize zu definieren. Störungen dieser zeitlichen Ordnung widersprechen dem Prinzip der Salutogenese und haben nachweislich gesundheitsabträgliche Folgen.  Einige wesentliche Beispiele dafür werden im Vortrag vor- und zur Diskussion gestellt. 

Erfahrungen in der Implementierungspraxis von Salutogenese-Projekten 

Univ.-Prof. Dr. Melchart Dieter

Die Implementierung von Salutogenese in Medizin und Gesundheitsversorgung gestaltet sich schwierig. Es werden Beispiele aus der praktischen Projekterfahrung vorgestellt. Eigenverantwortung und Solidarität als Systemprinzipien sind in der Gesundheitsversorgung nicht gleichwertig. Nach wie vor ist die Einbindung des Individuums als aktiver Partner in Form von Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Patientenschulung unzureichend, obwohl vielen die Bedeutung eines proaktiven Gesundheitssystems und die Notwendigkeit der Eindämmung der Chronifizierung von Kranken bekannt ist. Die passive pathogen-orientierte Behandlung behält weiter ihre Dominanz vor der Klienten- und Patientenaktivität im Prozess der Gesundheitsversorgung. 

Salutogenese als Grundlage für die Stärkung der Gesundheitskompetenz in Österreich

Dr. med. Peter Nowak

Ein Kernelement der Salutogenese-Theorie ist die vermittelnde Position von Kohärenzgefühl zwischen Einsatz eigener Ressourcen angesichts der Herausforderungen des Lebens und ihre Wirkung auf Gesundheit. In der international anerkannten Definition von Gesundheitskompetenz (Sörensen et al. 2012) sind die drei wesentlichen Aspekte des Kohärenzgefühls aufgenommen. Damit sind Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit auch zu zentralen Orientierungspunkten der Stärkung von Gesundheitskompetenz geworden. Die weltweite Konjunktur von Gesundheitskompetenz („health literacy“) als zentrale Gesundheitsdeterminante hat nicht zuletzt mit den systematischen und vielgestaltigen Interventionsmöglichkeiten zur Stärkung der Gesundheitskompetenz zu tun. Im Zusammenspiel von Kompetenzen der Menschen und der Komplexität der angebotenen Gesundheitsinformationen und Systembedingungen bieten sich große Entwicklungspotentiale.

In Österreich wurde die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bereits 2012 zum vordringlichsten Gesundheitsziel auf nationaler Ebene erklärt. In den Folgejahren gelang mit der Einrichtung der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK; www.oepgk.at) ein erster großer struktureller Schritt. Inzwischen hat sich ein breites Spektrum von Umsetzungsmaßnahmen entwickelt, die von Bund, Ländern, Sozialversicherungsträgern und Organisationen verschiedener Politikbereiche umgesetzt wird. Im Vortrag werden die wesentlichen Umsetzungszugänge – gute Gespräche über Gesundheit und Krankheit, gute Gesundheitsinformationen sowie gesundheitskompetente Organisationen und Settings – erläutert und aktuelle Umsetzungsinitiativen in Österreich präsentiert.

Das Mikrobiom und die Regulationmedizin als multimodales Therapiekonzept beim Psychosozialen Metabolischen Syndrom (PSALMS): Erfahrungsmedizin & Evidenzbasierte Medizin im ganzheitlichen Konsens
Univ.-Prof. PD. Dr. Peter Panhofer, MBA

Derzeit sind knapp 2 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig und 650 Millionen sind adipös (WHO 2018).  Die Folgen von Übergewicht und Adipositas werden im Psychosozialen Metabolischen Syndrom (PSALMS) zusammengefasst: Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, erhöhtes Krebsrisiko, nicht-alkoholische Leberverfettung, Arthritis und psychosoziale Probleme, die insgesamt zu einer Kostenexplosion für die weltweiten Gesundheitssysteme führen. Die Konventionelle Medizin und die Regulationsmedizin (Traditionelle & Komplementäre Medizin) haben unterschiedliche Erklärungen zum Übergewicht und verschiedene Zugänge zu ihrer Behandlung. Beide Medizinsyteme sind mittlerweile evidenzbasiert. 

Die Kombination aus konventioneller Schulmedizin und begleitender komplementärer & traditioneller Regulationsmedizin ist vor allem im fernöstlichen Kulturkreis akzeptiert und etabliert sich zunehmend in den europäischen und angloamerikanischen Breitenkreisen. Sowohl die konventionelle Medizin als auch die Regulationsmedizin (Orthomolekulare Medizin) setzen im Bereich der Metabolischen Medizin auf das Mikrobiom (Gesamtheit der Darmbakterien des Gastrointestinaltraktes). Eine wichtige Rolle bei der Darm-Hirn-Achse spielt neben dem Mikrobiom auch das Metabolom (kurzkettige Fettsäuren durch bakterielle Fermentation von Präbiotika). So können neben der Akupunktur auch Präbiotika & Probiotika den Vagus selektiv beeinflussen und Neurotransmitter im Hypothalamus und mehreren Hirnnervenkernen freisetzen. Zusätzlich hat das Mikrobiom einen starken Einfluss auf die Verdauung, das Immunsystem, die Körperzusammensetzung (Viszeralfett) sowie die Auswirkungen von PSALMS: Lebersteatose, Insulinresistenz, Lipidstoffwechselstörungen, Depressionen, Gefäßverkalkungen, etc.

Zusammenfassung: Ein multifaktorielles pandemisches Problem wie PSALMS lässt sich nur durch ein multimodales personalisiertes und individualisiertes Therapiekonzept mit Integration der konventionellen Schulmedizin als auch der komplementären Regulationsmedizin langfristig und präventiv in Angriff nehmen.

Das Mikrobiom ist sowohl im diagnostischen als auch therapeutischen Bereich aus einem modernen evidenzbasierten Behandlungskonzept nicht mehr wegzudenken.

Arbeit & Salutogenese
Dr. med. Susanne Schunder-Tatzber, MAS, MBA, MSc.

Der oft geäußerten Aussage, dass Arbeit krank macht, wird in diesem Vortrag der salutogenen Wirkung der Arbeit gegenüber gestellt. 

Die Bedeutung der Arbeit für den einzelnen Menschen ist abhängig von seiner kulturellen, politischen, sozialen und religiösen Umwelt, sowie von der Zeit, in der dieser Mensch gerade lebt. Der umfassende Ausdruck der gesellschaftlichen Integration eines Menschen gründet sich in seiner wesentlichen Dimension auf die Arbeit. Einkommen, soziale Sicherheit, Sozialprestige und Sozialkontakte außerhalb von Familie und Partner sind somit deutliche salutogenetische Aspekte der Arbeit – neben der reinen Sicherung Arbeit unserer Existenz. 

Das kulturelle Verständnis von Arbeit unterliegt jedoch einem kontinuierlichen Wandel – und diesem Vortrag werden historische Beispiele gebracht. 

Am Beispiel von psychosomatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen von Arbeitslosen und negativen Auswirkungen von langen Krankenständen chronisch Kranker werden die salutogenen Aspekte von Arbeit verdeutlicht. 

Weiters wird auf die wichtige Arbeit von ArbeitsmedizinerInnen zur Erhaltung und Förderung von Gesundheit Arbeitender aufmerksam gemacht.